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Herr Lehmann und die SchattenkostenDas ist Herr Lehmann. Herr Lehmann ist Einkaufsleiter in einem großen Unternehmen. Als Einkaufsleiter kümmert sich Herr Lehmann darum, dass in dem Unternehmen nie der Nachschub ausgeht: Einmal muss er Plastik einkaufen, damit das Unternehmen seine Produkte herstellen kann, dann wieder Papier, damit die Frühjahrskataloge gedruckt werden können, dann wieder verhandelt er mit den Stadtwerken über die Preise für den Strom und das Gas. Oder er besorgt bunte Stifte, damit die Designer schöne neue Produkte designen können. Herr Lehmann hat einen sehr vielseitigen Job.

 

Das Unternehmen von Herrn Lehmann stellt Plastikschüsseln her. Vielen Unternehmen in dieser Branche geht es im Moment nicht so gut, aber das Unternehmen von Herrn Lehmann kann nicht klagen.

 

Herr Lehmann ist gerne Einkaufsleiter: Er hat eine nette Sekretärin, die ihm jeden Morgen einen Kaffee bringt, und viele Mitarbeiter, die ihm bei der vielen Arbeit helfen. Und die Lieferanten bei denen er einkauft schicken ihm hübsche Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag.

 

Und Herr Lehmann ist sehr stolz darauf, dass er für sein Unternehmen immer günstig einkauft. Aber an der Qualität wird deshalb trotzdem nicht gespart!

 

Heute Morgen hat Herr Lehmann einen Termin mit seinem Chef. Das ist Herr Busch. Herr Busch ist der Geschäftsführer und ein sehr wichtiger Mann. Er hat sogar zwei nette Sekretärinnen. Eine davon bringt ihm einen Kaffee. Herr Lehmann bekommt auch einen.

 

Herr Busch fragt Herrn Lehmann wie es ihm so gehe und was seine Frau so mache und ob sein Sohn in der Schule zurechtkomme. „Herr Busch ist ein angenehmer Mensch," denkt sich Herr Lehmann.

 

Und dann erklärt Herr Lehmann Herrn Busch wie viel Geld er im letzten Monat ausgegeben und wie viel Geld er gespart hat.

„Nicht schlecht, Lehmann, nicht schlecht," sagt Herr Busch. „Unsere A- und B-Artikel¹ haben Sie ja voll im Griff. Aber ich habe das Gefühl, dass wir bei den C-Artikeln und -Dienstleistungen² zu viel Geld ausgeben."

 

Herr Lehmann und die SchattenkostenHerr Lehmann bekommt einen riesigen Schreck. Niemals hätte er gedacht, dass er zu teuer einkauft. „Kümmern Sie sich mal um die Schattenkosten, Lehmann," sagt Herr Busch und damit ist die Besprechung zu Ende. Herr Lehmann hat nicht einmal mehr Zeit, seinen Kaffee auszutrinken.

 

Als Herr Lehmann wieder an seinem Schreibtisch sitzt, zittern ihm die Knie. Schattenkosten! In seiner Abteilung!? Undenkbar! Herr Lehmann tippt das Wort, das er heute zum ersten Mal in seinem Leben gehört hat, in die Suchmaschine:
S-C-H-A-T-T-E-N-K-O-S-T-E-N. Und er staunt nicht schlecht über die vielen Einträge, die er findet. „Donnerwetter," denkt er sich. „Schattenkosten scheint es ja in allen Unternehmen zu geben, nicht nur bei mir." Und im Internet liest er:

 

Unter Schattenkosten versteht man den Anteil bei der Beschaffung von Gütern oder Dienstleistungen, der vom Abnehmer zu viel bezahlt wird.

 

Und weiter:

 

Schattenkosten sind eine Gefahr für jedes Unternehmen, weil sie sich oft unbemerkt festsetzen. Über Jahre kumuliert können sich so große Summen addieren.

 

Einige Monate später sitzt Herr Lehmann wieder bei Herrn Busch. Herr Lehmann bekommt wieder einen Kaffee von einer der netten Sekretärinnen von Herrn Busch, Herr Busch fragt Herrn Lehmann, wie es ihm gehe und was seine Frau so mache und ob sein Sohn in der Schule zurechtkomme und Herr Lehmann denkt wieder: „Was für ein angenehmer Mensch der Herr Busch doch ist."

 

Und dann fragt Herr Busch: „Und, Lehmann, wie steht es mit den Schattenkosten?"

 

Auf diese Frage hat Herr Lehmann gewartet. Stolz faltet er die riesige Excel-Tabelle auseinander und zeigt Herrn Busch, wie viel Geld er im letzten Monat ausgegeben und wie viel Geld er gespart hat.

 

„Zuerst haben wir unsere Transportkosten untersucht und 30% eingespart. Ohne den Dienstleister zu wechseln. Dann haben wir unsere Telefonkosten untersucht und entdeckt, dass wir den gleichen Service bei einem anderen Anbieter 20% günstiger bekommen. Und dann haben wir unsere Energiekosten untersucht und 15% eingespart und eine Rückerstattung bei den Stromkosten erhalten. Und zuletzt haben wir unsere Versicherungen untersucht und 10% eingespart, obwohl wir jetzt viel bessere Leistungen haben."

 

Herr Lehmann und die Schattenkosten„Großartig, Lehmann, großartig!" sagt Herr Busch.

 

Für das eingesparte Geld kann das Unternehmen zwei zusätzliche Vertriebsmitarbeiter einstellen. Die bringen noch mehr Kunden und die kaufen noch mehr Plastikschüsseln.

 

Und weil dann immer noch Geld von den Einsparungen übrig ist, kann sich Herr Busch auch noch einen neuen Mercedes kaufen.


Herr Lehmann wird Mitarbeiter des Jahres und bekommt zu Weihnachten einen satten Bonus. Und in der Mitarbeiterzeitung schreiben sie einen Artikel über Herrn Lehmann.

 

Was Herr Busch nicht weiß: Herr Lehmann hat die Firma Budgetconsult engagiert, die alle Gemeinkosten untersucht und so die Einsparungen gefunden hat. Und das hat Herrn Lehmann keinen müden Euro gekostet, weil Budgetconsult über die Einsparungen finanziert wird.

 

Klingt komisch, ist aber so.

 

¹Das sind die Artikel, die in einem Unternehmen das Wichtigste sind, weil sie gebraucht werden, um die Waren zu produzieren, die das Unternehmen dann verkauft. Bei Herrn Lehmann ist es z. B. Plastik. In einer Druckerei sind es Papier und Druckfarben und in einer Bäckerei Mehl, Eier und Butter.

²Das sind die Artikel und Dienstleistungen, die in einem Unternehmen nicht so wichtig sind. Aber ohne diese Artikel und Dienstleistungen geht es auch nicht. Bei Herrn Lehmann sind das z. B. die Transportunternehmen, die das Plastik zur Fabrik fahren und die fertigen Plastikschüsseln zu den Kunden.